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MS Akute Schubbehandlung



Kortison

Kortison ist kein Medikament. Es ist ein körpereigenes Hormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird. Ganz korrekt müsste es eigentlich Hydrokortison oder Kortisol heißen. Wird vom Medikament gesprochen, nennt man die Wirkstoffgruppe Kortikoide, als eine genauere Unterkategorie der "Steroide", wie alle künstlichen Hormone einer bestimmten Molekülstruktur heißen. Im Folgenden wird also von "Kortison" als dem natürlichen Hormon, und von "Kortikoiden" als seinen künstlichen Doppelgängern gesprochen.


Das Nebennierenrindenhormon Kortison erfüllt im menschlichen Körper wichtige, teilweise lebenswichtige Aufgaben. Es wird vermehrt bei Stress ausgeschüttet und hilft, beispielsweise mit Unfällen oder seelischen Belastungen, aber auch mit Krankheiten wie Entzündungen oder Fieber besser fertig zu werden. Gleichzeitig reguliert es Stoffwechselvorgänge und hemmt Allergien.


Künstlich nachgebaut steht Kortison bereits seit Jahrzehnten als Medikament zur Verfügung. Kortikoide werden eingesetzt zur Behandlung von Rheuma, Asthma, Haut- und Nierenkrankheiten, Gefäß-, Blut-, Darm- und Lebererkrankungen, bei Nervenkrankheiten, Schockzuständen und bei Organverpflanzungen. Auch bei der Multiplen Sklerose wird es als Immunmodulator im akuten Schub als sofortige Maßnahme angewendet.


Unabhängig von der Stärke ihrer Wirkung, vom Entwicklungsgrad (erste, zweite, dritte oder vierte Generation) und von der Darreichungsform (innerlich oder äußerlich) wirken Kortikoide im wesentlichen auf vier verschiedenen Ebenen:


Anti-inflammatorische Wirkung
Als Inflammation bezeichnen Mediziner eine Entzündung. Gegen diese wirken Kortikoide besonders gut und die typischen Anzeichen wie Rötung, Schwellung, Hitze und Schmerz vergehen rasch. Vor allem der Juckreiz, ein Symptom vieler Hautkrankheiten, lässt schnell nach unter dem Einfluss von Kortikoiden. Das ist wichtig, da sonst schnell ein Teufelskreis aus Entzündung, Jucken, Kratzen und Entzündung entstehen kann.


Anti-allergische Wirkung
Eine Allergie ist eine überempfindliche Reaktion des Körpers auf unterschiedliche Stoffe. Bestimmte Lebensmittel oder Blütenpollen, aber auch Metalle oder Latexmaterialien können eine allergische Reaktion auslösen. Heuschnupfen, Nesselsucht, (Kontakt-)Ekzeme oder Asthma sind die Folge. Da diese Krankheiten meist mit einer Entzündung der betroffenen Organe einhergehen, können Kortikoide hier wirkungsvoll eingesetzt werden.


Anti-proliferativ
Als Proliferation bezeichnet man die Zellteilung. Ist diese beschleunigt, spricht man von Hyper-Proliferation. Die Hyper-Proliferation von Hautzellen ist ein besonders ausgeprägtes Symptom der Schuppenflechte. Gegen diese vermehrte Zellteilung können Kortikoide wirksam eingesetzt werden.


Immun-modulatorische Wirkung

Einer Allergie ähnlich sind besonders heftige Reaktionen des Körpers auf fremde oder körpereigene Stoffe. Diese Abwehrreaktionen sind oftmals sinnvoll und notwendig, aber in einigen Fällen unnötig heftig oder zu lange anhaltend. Hier greifen Kortikoide modulierend (mäßigend) ein. Bekanntestes Beispiel sind Patienten, denen ein fremdes Organ transplantiert wurde. Mit der innerlichen Gabe von Kortikoiden (also als Tablette oder Spritze) können Abstoßungsreaktionen des Körpers verhindert werden.


Kurz: Kortison wirkt stressregulierend und entzündungshemmend.



Kortisonstoßtherapie bei einem akuten Schub:

Der akute Schub einer MS wird mit Kortison behandelt, das Medikament lindert durch seine Wirkweise die Symptome und steigert dadurch die Lebensqualität. Seit einigen Jahrzehnten wird Kortison in den akuten Krankheitsphasen der MS eingesetzt. Es wirkt dabei immunsuppressiv, entzündungshemmend, sowie gefäßabdichtend auf die Blut-Hirn-Schranke. Diese Abdichtung bewirkt, dass T-Lymphozyten nicht mehr in das Zentrale Nervensystem eindringen können. Auch die Produktion von spezifischen Entzündungs- und Botenstoffen wird gehemmt. Auf diese Weise wird die entzündliche Phase verkürzt.

Bei der Schubbehandlung wird hochdosiertes Kortison über einige Tage intravenös verabreicht (Stoß- oder Pulstherapie). Es wird in der Dosierung von jeweils 500mg od. 1000mg über einen Zeitraum von 3-5 Tagen täglich als Infusion verabreicht. Spricht die erste Stoßtherapie nicht an, sich die Symptomatik danach nicht deutlich bessert, kann eine Zweite erfolgen. Das kann etwa 2-4 Wochen später sein, unter Umständen auch mit erhöhter Dosierung (2000 mg/täglich). Eine immunmodulatorische Basistherapie sollte trotz einer Schubtherapie nicht unterbrochen werden. Alle Basistherapien weisen generell keinerlei Wechselwirkungen zu der Behandlung mit Kortison auf.
Im Anschluss an die Stoßtherapie kann das Medikament ausgeschlichen werden, d.h. es wird mit Kortison-Tabletten langsam herunterdosiert. Während und nach der Kortison-Stoßtherapie wird eine körperliche Schonung empfohlen.

Da während der Behandlung Magenbeschwerden auftreten können, sollte man gleichzeitig entsprechende Magenschutz-Medikamente einnehmen. Oft kommt es während der Infusionstage zu Euphorie, es kann aber auch das genaue Gegenteil eintreten. Meistens kommt es zu massiven Schlafstörungen, zu Appetit- und Gewichtszunahme, Blutwert- und Hautveränderungen. Auch kann es zu dem sogenannten Vollmondgesicht kommen, das Gesicht wirkt wie aufgeblasen.

Eine weitere Möglichkeit der Behandlung mit Kortison, ist die intrathekale Therapie. Dabei wird Kortison mehrmals über einen längeren Zeitraum (in festen Anständen), direkt in den Nervenkanal injiziert - damit wird ein Kortison-Depot angelegt. Das Prinzip der Behandlung besteht in der lokalen antientzündlichen Kortisonwirkung auf MS-Herde, unter Umgehung der Blut-Hirn-Schranke. Der genaue Wirkmechanismus ist allerdings unbekannt. Die Behandlung ist nur in spezialisierten Kliniken möglich (MS-Zentren).

Die intrathekale Therapie ist wirksam bei primär oder sekundär chronisch-progredienten MS-Verläufen. Die Therapie soll die Dauer der Schübe verkürzen und die neurologischen Ausfälle bessern. Wenn die MS nicht schubweise verläuft, sondern sich chronisch fortlaufend entwickelt, hat die Therapie einen geringeren Nutzen, sollte aber zumindest versuchsweise eingesetzt werden.

Bei schweren Schüben, die gar nicht auf Kortison ansprechen, kann eine Plasmapherese zum Einsatz kommen.



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